In den Blog-Kategorien INTROSPECTION und INNERWORLD geht es um den Weg des Findens. Das heißt, einen sehr persönlichen Teil der Arbeit in das „Außen“ zu stellen. Was mich offen gestanden fordert, weil ich meine sprachlichen Ergüsse sehr kritisch betrachte. Genau genommen, gibt es nur wenige Passagen in meinem Arbeitsbuch, die ich für eine Öffentlichkeit passend finde. Darum handeln die Kategorien INTROSPECTION und INNERWORLD wohl auch vom Scheitern. Das Irrationale, das Unvorhersehbare, das Banale und meine Fehlschläge sind gefragt. Oft formuliere ich sehr einfache Fragen oder ein Missgeschick führt zur zündenden Idee, wie im Beitrag Totem und Trickster beschrieben.

Meine Gedanken während der Ideenfindung zu dokumentieren und den Prozess der Umsetzung zu beschreiben, scheint mir dennoch ein Widerspruch zu sein, eine Hemmung für die Vorstellungskraft. Gleichzeitig lokalisiere ich in diesem Vorurteil meine Sturheit und mein Unverständnis für das Medium TEXT. Sich mitsamt seiner Vorstellungskraft (Bildlichkeit) dem Rückzug zu ergeben, ist folglich eine Scheinlösung. Scheinbar als innere Konsequenz ist mir während der ersten gedanklichen Auseinandersetzung zur Ausstellung OXYMORON der Begriff TEXTBILD eingefallen.

Fotografisch interessieren mich, neben dokumentarischen Aspekten zu den Themen MEDIEN, RAUM und KÖRPER, die sogenannte ABSTRAKTE und KONKRETE FOTOGRAFIE. Abstrakte und konkrete Fotografien schaffen Abbilder, die mit dem Abgebildeten keine erkennbare Ähnlichkeit aufweisen. Sie versuchen nicht das Gesehene darzustellen, sondern sie konkretisieren die Fotografie selbst – das Spiel mit Idee, Mittel (Licht, Bewegung, Komposition) und Technik. Mich dem Widersprüchlichen fotografisch anzunähern, bedeutet demnach bewusst an die Grenzen der Fotografie zu gehen. Eine Werkserie zum Thema OXYMORON muss aber nicht notwendigerweise mein fotografisches Abbilden zum Thema haben.

Trotzdem, was liegt in einem ersten Versuch näher und ermöglicht, historisch betrachtet, eine gewisse Doppeldeutigkeit, vielleicht ist auch ein Stück Ironie dabei, als meine Ölbilder fotografisch zu inszenieren. Ich habe die Serie „Wie es war, wissen wir nicht“ genannt. Hier schlägt eindeutig die Spurensicherung durch. Die frühen Rekonstruktionsversuche von Christian Boltanski (darauf komme ich im nächsten Beitrag zu sprechen) spielen ebenfalls eine Rolle. Ich habe mich gefragt, wie es wohl wäre, einen letzten Blick auf mein Leben als Künstlerin zu werfen.

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Wie es war, wissen wir nicht | Fotografie | 2017

Die erste Inszenierung habe ich rein nach ästhetischen Kriterien ausgerichtet und kleine Hinweise auf meine persönliche Geschichte eingeflochten. Der Spiegel steht für die identitätsstiftenden Aspekte, die ich durch die Zuweisungen „Malerin, Künstlerin, Ehrenamtlerin…“ kreiere. Derartige Zuweisungen sind notwendig, auch um sein Leben positiv gestalten zu können. Doch der Grat ist schmal. Der Gedanke an Entfremdung durch eine zu starke Identifizierung, dargestellt durch den Spiegel, ist immer an meiner Seite. So habe ich die Arbeiten in ein gleichgültiges, jedoch sonniges Grau gehüllt. Bis auf wenige unleserliche Ausnahmen fehlt vorerst noch der Text. Mit der Textur des Pinselstrichs lässt sich allerdings auch in schwarz-weiß weiterarbeiten.

Das Oxymoron hat mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht entdeckt. Doch für eine Salon-Hängung passt das quadratische Beitragsbild vielleicht ganz gut. Es markiert den Beginn meiner fiktiven Lebensgeschichte. Ich kehre gedanklich zurück an die „Grenzen der Fotografie“ und verspüre Lust die Zweidimensionalität der Bildfläche aufzusprengen. In mir tauchen Ideen zu Materialarbeiten auf. Reliefe, die mit Farbe und Text durchzogen sind. Stadtansichten aus Zeitungsresten, die in der Mitte eines Raumes von der Decke hängen. Ein guter Zeitpunkt in die Werkstatt zu gehen…..

FORTSETZUNG folgt

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