Die explosionsartige Entwicklung im Bereich der elektronischen Speichermedien und Zirkulationstechniken entfachte in den 1990er Jahren vielschichtige Diskussionen um den Differenzierungsprozess von kritischer Geschichtsschreibung und Gedächtnis. Vom Vergessen mit apokalyptischen Zügen war die Rede, von der Ankunft eines neuen Zeitalters „das den Verlust einer verbindlichen Weltanschauung, den Zusammenbruch staatspolitischer Polaritäten, die massive Verbreitung technischer Kommunikationsmittel und die zunehmende Medialisierung der Alltagswelt zu seinen Merkmalen zählt.“1

Kurz gesagt, es geht um das Thema „kulturelle Identität“ und damit um die identitätsstiftende Funktionen von Erinnerung und Vorstellungskraft.

In der fotografischen Serie „Die Stadt der verlorenen Zivilisation“ aus dem Jahr 2013 setze ich mich mit den Phänomenen des Erinnerns und des Geprägt-seins durch die abendländische Bildtradition auseinander. Ich entwerfe einen fotografischen Blick auf Computerplatinen, der Landkarten, Wissenstürme, Archive oder Bibliotheken, resp. klassische Gedächtnismetaphern suggeriert. Doch die materielle Beschaffenheit der vermeintlichen Stadtansichten oder des Restmülls lässt sich nicht leugnen. Es entsteht während des Betrachtens eine Art Zwischenzustand, ein Zustand des „In-Between“, in dem das eine, noch das andere deutlich lesbar ist. In gewisser Weise sind wir so dem Phänomen des Erinnerns und der Konstruktion von Identität auf der Spur.

Arbeiten in der OÖ Kunstsammlung

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Concrete Photography by Isabella S. Minichmair

Präsentation der Serie „Stadt der verlorenen Zivilisation“ Isabella S. Minichmair in der Ausstellung TURMWELTEN Höhenrausch 2014, OK Linz

1 Hemken, Kai-Uwe (Hrsg): Gedächtnisbilder – Vergessen und Erinnern in der Gegenwartskunst Leipzig 1996. S. 9

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