2020, nach dem ersten Lockdown in Österreich, war es möglich mich im Rahmen der Umsetzung einer Gedenkstelle für stillgeborene Kinder (Sternenenkinder) für die Pfarre Dietach in der Glasfusingtechnik weiter zu schulen. Mit dem profunden Wissen und der Unterstützung von Sabine Habichler und Thomas Stummer aus der Glasmalerei Stift Schlierbach konnte ich vor allem meine Glasschneidetechnik verbessern (hurra, ich kann jetzt auch Kreise schneiden ;-)) und mein Farbspektrum in Öl erweitern.

Entstanden sind acht Mustergläser im quadratischen Format 40 x 40 cm. Ziel war es Farbkombinationen zu testen und mich formal mit figurativen Themen auseinander zu setzen. Da die Glasfusingtechnik – jenseits des Aufstreuens von Glasfritten – einen grafischen Ansatz bietet, stellte sich mir die Frage, wie ich mittels der Überlagerung der Glasschichten einen malerischen Aspekt erarbeiten kann. Anders gesagt, wie kann ich den ernormen Farbraum der Gläser optimal nutzen?

Für diese Experimente setzte ich unterschiedliche Farbkombinationen aus Restbeständen oder Abfällen von Großprojekten zusammen. Die Gläser wurden geschnitten und in 2 – 4 Schichten übereinandergelegt und dann zusammengeschmolzen. Einige Gläser verändern beim Schmelzen ihre Farbe und somit den gesamten Farbklang, ähnlich wie beim Emaillieren. Ein spezieller Fall ist das cadmiumhaltige, transparente Bullseye-Glas „Yellow“ mit der Nummer 1120 – Zitronengelb. Ungebrannt wirkt es wie das schwefelhaltige, „Medium Amber“ – 1137. Es braucht eine gute Beobachtunsgabe und jahrelange Erfahrung, um die ungebrannten Gläser zu unterscheiden. Und so kam es, wie es kommen musste. Ich verwechselte die Gläser und jubelte mir Zitronengelb in die Farbpalette.

Obwohl ich eine glühende Verehrerin von Richard Gerstls und Anton Mahringers teilweise rasendem Einsatz von Cadmiumgelb bin (Danke an dieser Stelle an Lorkeramik für die tolle Reise zum Nötscher Kreis in Kärnten), hatte ich es, bis auf wenige Ausnahmen, bisher in meiner Farbpalette verweigert. Cadmiumgelb hat eine starke Dynamik und Ausdehnung in der Fläche und lässt sich schwer innerhalb eines Farbklanges bändigen. Nachdem ich aber an jenem „gelben“ Tag von der Glaswerkstatt in mein Atelier gekommen war und mehrere großformatige Arbeiten betrachtete, schoß mir ein Gedanke durch den Kopf: 1120, es fehlt das Zitronengelb bzw. Cadmiumgelb!

Seiher bin ich geradezu versessen auf das Einbinden dieser Farbe. In Kombination mit Zinkweiß ergibt es ein atmosphärisches Farblicht und spezielle Texturmöglichkeiten. Psychologisch gesehen, repräsentiert Gelb die Bedingtheit der Gegensätze. Das passt sehr gut zu mir. Ich stelle oft dialektische Überlegungen an oder teste gegensätzliche Materialien, um eine Annäherung zu erkunden. Vielleicht ist Z I T R O N E N G E LB meine ganz persönliche Antwort auf das spezielle Jahr 2020. Es bleibt nicht aus über die Bedingtheit und Verhältnismäßigkeit unseres Lebensstils nachzudenken und zu diskutieren. Das Quadrat symbolisiert die Herausforderung dabei klar bei sich Selbst zu bleiben.

Ölgemälde im Beitrag:

Der leere Thron, 2020, Öl auf Leinwand, 60 x 60 cm

Shoreline, 2020, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm

Die Tanzenden, 2020, Öl auf Leinwand, 20 x 20 cm