Fotocredit: Stadt Wels Wels zeigt Kunst im Park

Presse: Mehr Grün und mehr Kunst für Wels – OÖ Nachrichten

Die 140 jährige Geschichte des Pollheimer-Park gibt Einblick in eine kontinuierlich gewachsene Tradition der Parkgestaltung in Wels. Sowohl der alte Baumbestand als auch vier Denkmale sind sichtbare Zeugen eines beständigen Wandels der sozialen und gesellschaftspolitischen Bedeutung des öffentlichen Raumes, insbesondere der zahlreichen Parkanlagen und Grünflächen, für die Stadt Wels. Im Zuge der Neugestaltung des Pollheimer-Parks 2021/22 wurde mir die Aufgabe zu Teil in Zusammenarbeit mit der Glasmalerei Stift Schlierbach vier Glasstelen zu gestalten, die inhaltlich diese Tradition mitdenken und den Pollheimer-Park als Ort der Begegnung, Belebung und Erholung für die Welser Bevölkerung und Stadtbesucher vermitteln.

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Glasstelen ihm Rahmen des Stadtprojektes „Kunst im Park“ zum Einsatz zu bringen, veweist bereits auf das Thema des Wandels, dem Kulturen und Gesellschaften von jeher unterliegen, sowie auf den individuellen Empfindungsraum, der immer in einer speziellen Beziehung zum Ort steht. Glas ist ein faszinierender Werkstoff. Die von Hand gefertigten Stelen laden zum genauen Beobachten ein. Die räumliche Farbtiefe, der feine Farbschatten, die lebendige Textur der Lufteinschlüsse und die Darstellung selbst verändern sich je nach natürlichem Lichteinfall, der künstlichen Beleuchtung und der stetigen Gestaltung des Parks im Wechsel der Jahreszeiten. So entfaltet sich für den aufmerksamen Beobachter ein subtiles Wechselspiel zwischen dem persönlichen Empfindungsraum, der künstlerischen Glasgestaltung und der beständigen Bewegung im urbanen, öffentlichen Raum.

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Auch inhaltlich gilt es eine Brücke zwischen der Geschichte, die sich entlang der alten Stadtmauern eingeschrieben hat und dem aktuellen Zeitgeschehen zu schlagen. Der beeindruckende und schützenswerte alte Baumbestand im Pollheimer Park weist dazu den Weg. Menschen empfinden von jeher eine besondere Nähe zu Bäumen. Sie bieten Schutz, spenden Schatten und Nahrung. Aus der Beobachtung ihrer Natur- und Lebensgeschichte wurden über die Jahrtausende Charaktereigenschaften abgeleitet, die übersetzt in Theater, Musik, Bildende Kunst und Literatur als Anleitung für den praktischen Lebensvollzug dienten. Auch heute noch werden Bäume als Orte des Gedenkens und der Erkenntnis über Leben, Liebe und Tod verstanden.

Presse: Offenheit, Beständigkeit, Großzügigkeit und Besonnenheit im Pollheimer Park – Tips

So wurden vier Eigenschaften für die Glasgestaltung ausgewählt und die entsprechende Darstellung in Korrespondenz mit den historischen Gebäuden und Gedenkorten entlang der neu angelegten Wege zugewiesen. Allerdings werden die Bäume als Repräsentanten der Eigenschaften nicht naturnahe in den Glasstelen abgebildet. Ihre Darstellung bezieht sich vielmehr auf den lebendigen Empfindungsraum, der durch das Erleben des Baumcharakters im Zusammenhang mit den historischen Orten eröffnet wird.

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Beim Ledererturm werden die Besucher nun mit „Offenheit“ begrüßt. „Beständigkeit“ und „Großzügigkeit“ umfassen die alte Stadtmauer beim Durchgang zur Freiung und vor dem Schloss Pollheim. Auf dem kürzeren Wegstück, parallel zur Ringstraße, begleitet den Besucher die „Besonnenheit“ in die Welser Innenstadt. Die Glasstelen symbolisieren farbig, kraftvoll die Hoffnung auf eine positive Zukunft – einen Weg der Verwandlung von der Kriegserinnerung und Verteidigungsgeschichte hin zur Notwendigkeit der aktiven Gestaltung von Frieden, in die jeder Einzelne auf einer ganz persönlichen Ebene eingebunden ist. In diesem Sinne werden auch Ulme, Eiche, Kastanie und Buche begleitend zur Aufrichtung der Glasstelen neu gepflanzt.

I S A B E L L A S C H A R F – M I N I C H M A I R

Isabella Scharf-Minichmair, geboren 1971 in Kirchdorf an der Krems, lebt und arbeitet als freischaffende, bildende Künstlerin in Waldneukirchen und auf Burg Altpernstein in OÖ. Sie studierte Malerei und Grafik an der Kunstuniversität Linz und promovierte 2013 im Bereich Kunstphilosophie ebendort. In Zusammenhang mit ihrer Dissertation zum künstlerischen Genre der „Spurensicherung“ und materialikonologischen Fragestellungen erhielt sie 2010 ein Forschungsstipendium. Es folgten internationale Auszeichnungen für Fotografie und Emaille-Bild Malerei, die Teilnahmen an Artist in Residence Programmen, sowie nationalen und internationalen Einzel – und Gruppenausstellungen. In Zusammenarbeit mit der Glasmalerei Stift Schlierbach entstehen seit 2015 architekturbezogene Auftragswerke in Glasfusing-Technik für den sakralen und öffentlichen Raum.

Dr. Isabella Scharf-Minichmair

Atelier Burg Altpernstein

AT – 4563 Micheldorf, Altpernstein 1

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