Bereits in frühen Jahren waren zwei Dinge für mich wesentlich: das Hören und das malerische Erzählen von Geschichten. Im Zuhören und bildhaften Umsetzen fand ich Konzentration und Ausdruck. Aus den Spielen der Kindheit einen Beruf zu entwickeln, ist nicht selbstverständlich. Berufliche Aspekte wie eine gute Beobachtungsgabe oder mein großes Interesse an Kunstgeschichte und Philosophie wurden durch meine Eltern maßgeblich gefördert. Später waren es Lehrer und Freunde, die mich zu umfassenden Ausbildungen im Feld der Kunst anregten. So bekam ich bereits mit 14 Jahren eine klassische Zeichenausbildung an der HTL Steyr im Fachbereich Gürtler, Gold- und Silberschmiede und später, nach mehrjähriger beruflicher Tätigkeit, eine fundierte malerische und grafische Ausbildung an der Universität für künstlerische Gestaltung in Linz/Österreich. Mein Doktorat zum künstlerischen Genre der „deutsch-französischen Spurensicherung“ und ein damit verbundenes Forschungsstipendium der Kunstuniversität Linz vertieften meine materialikonologischen und philosophischen Fragestellungen sowie meinen Hang zum künstlerisch-spielerischen Experimentieren.

Vor allem das Interesse an der Klassischen Moderne, an Farbe, Textur, Farbklängen und Bildlicht verdanke ich den ausgedehnten Naturerkundungen mit meinen Eltern und Großeltern. Die Kamera meines Vaters war immer mit dabei. „Achte besonders auf das Licht“, riet mir mein Vater, wenn er die Kamera an mich weiterreichte. Es war immer ein besonderer Moment, wenn ich den für mich damals großen und schweren Fotoapparat in Händen hielt. Durch den Sucher der Kamera eröffnete sich für mich ein gänzlich neuer Blick auf die Welt. Auch heute ist die Kamera oftmalige Begleiterin. Neben der Reisefotografie entwickelte ich ein besonderes Interesse an der sogenannten Konkreten Fotografie. Die Liebe meiner Mutter für die Romanik führte mich zu spannenden historischen Plätzen und beeindruckenden österreichischen Kunstschätzen und Kultplätzen. Keltische und römische Kultplätze, alte Kirchen und Burgen, Fresken, Gemälde und Wandteppiche beeinflussten mein Interesse an Kunst nachhaltig. Die faszinierenden Geschichte/n, die sich um Artefakte und historische Orte ranken, lehrten und lehren mich, dass das Leben Freude und Schönheit, aber auch das Gegenteil bereithält. Die Gegensätze bedingen einander und Kunst schafft Möglichkeiten des Ausgleichs und Perspektiven auf eine positive Zukunftsvision.

Heute lege ich meinen künstlerischen Schwerpunkt auf die malerische Spurensuche zum Thema „Individuelle Mythologien“ – das Befragen und Fortschreiben von Geschichte/n aus der Autonomie der Farbwirkung heraus und entwerfe mit den Mitteln der Malerei und Fotografie Glaskunstwerke für den sakralen und öffentlichen Raum. 2021 ergab sich die glückliche Fügung in Kooperation mit dem ISK – Institut für soziale Kompetenz, meinen inspirativen Ort des Herzens auf Burg Altpernstein in Oberösterreich zu finden. Mein Atelier ist Ort des Rückzugs und gleichzeitig Raum der Öffnung und Begegnung.

Ausschnitt aus der 3SAT-Dokumentation „Traumschlösser und Ritterburgen – vom Salzkammergut ins Kremstal“ © ranfilm für 3SAT Mit freundlicher Genehmigung von ranfilm und 3SAT zur Verwendung durch Burg Altpernstein und Farbebekennen. Eine weitere Verwendung/Veröffentlichung ist nicht gestattet.

www.farbebekennen.at

Isabella SCHARF, *1971, in Kirchdorf an der Krems, Austria, studied Fine Arts at the University of Art and Design in Linz, where she also earned a PhD on the artistic genre SPURENSICHERUNG. She received a research fellowship and has won international awards, participated in artist-in-residence programs and symposia, and has exhibited in solo and group shows both nationally and internationally. Since 2015, she has collaborated with „Glasmalerei Stift Schlierbach“ to create commissioned glass works for sacred and public spaces. Currently, she is working on the Eremitage-Project „13 months and 20 days“ in her studio at CASTLE ALTPERNSTEIN and DIE KLEINE WERKSTATT in Upperaustria.