Glasgestaltungen für öffentliche Bauten sind eine spannende Herausforderung. Wenn nach einer guten Vorbereitungs- und Umsetzungsphase das handgearbeitete Glas montiert wird, herrscht bei allen Beteiligten und beim Publikum große Freude.

Zuvor aber entsteht nach einem ersten Gespräch mit dem Auftraggeber ein einfacher Entwurf. Die ersten Skizzen gedeihen intuitiv, im kleinen Format, zumeist mit Farbstift und Wasserfarben. Ich hole Informationen ein, spreche mit der Leitung der Institution und erfrage beispielsweise das Leitbild des Kindergartens. Mir ist im ersten Schritt wichtig das Inhaltliche grundlegend zu erfassen.

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Erst im zweiten Schritt konzentriere ich mich auf die Architektur. Ich reduziere den Entwurf. Maße und Rhythmen des Gebäudes werden wiederholt und positiv fortgesetzt. Einzelne Gestaltelemente stellen durch den Kontrast zu Gebäudeformen Spannungen her, wie beispielsweise die eingesetzten mehrfarbigen Dreiecke, die neben der Schrift die Architektur lebhaft auflockern.

Ein schwieriger Schritt besteht darin, das kleine Entwurfsformat 1:1 – tauglich zu machen. Welche Dimension wird für das Glaskunstwerk angesetzt, damit die Fassade gestaltet aber nicht überfüllt wirkt?

Für den Kindergarten Waldneukirchen bestand zusätzlich die Aufgabe die Glasgestaltung mit einer letztendlichen Dimension von rund 3 x 6 Metern auch als Logo verwenden zu können. Mein Fokus bestand also in einer möglichst klaren formalen und inhaltlich-symbolischen Konzeption.LOGO_KIGA WNK_5x4_300dpi_ohneNach dieser Konzeption richtet sich die Farbgebung. Eine starke Farbgebung in chromatischen Intervallen entspricht auch allgemein meinen malerischen Farbvorstellungen. In Zusammenarbeit mit Thomas Stummer von der Glasmalerei Stift Schlierbach enstanden nun erste Mustergläser.

Eine weitere Herausforderung besteht in der Montage des Glases. In vorliegendem Projekt musste das Glas auf einen Holzriegel-Unterbau montiert werden. Ich habe den Entwurf so entwickelt, dass Ungereimtheiten im Plan oder im Unterbau durch die Abstände der Glasteile zueinander im Notfall im Zentimeterbereich reguliert werden können. Was in diesem Fall nicht nötig war. Plan und Unterbau passten perfekt. Der nächste Schritt bestand also darin, die Teile 1:1 auszudrucken und auf den Holzriegelbauplan zu kaschieren, so dass die schweren Glasteile später gut montiert werden können. Auch die Bohrlöcher wurden auf diesem Plan festgelegt und die Schriftgröße des Schriftzuges überprüft. Schließlich soll dieser straßenseitig gut lesbar sein.

Nach einer letzten Farbbesprechung ging Thomas Stummer in der Glasmalerei Stift Schlierbach ans Werk. Das Auflegen und Aufstreuen der Glasteile und der sogenannten Glasfritten bedarf großer Konzentration. Mit viel Gefühl werden Farbverläufe aufgestreut und bei rund 800 – 900 Grad mehrere Stunden zusammengeschmolzen. Glasfusing nennt sich diese alte Technik, die seit rund 2300 Jahren bekannt ist. Das Ergebnis ist für mich jedes Mal aufs Neue faszinierend.

Die Montage fordert erneut alle gemeinschaftlichen Kräfte und viel Konzentration. Die Abstände für die Halterungen müssen exakt gebohrt werden. Auf dem Glas darf später keine Spannung lasten. Schritt für Schritt werden die Teile montiert.

Der schwebende Eindruck, der durch die Abstandhalter entsteht, unterstreicht den Charakter des Glases. Durch das Auflicht und den Farbwurf entstehen 3D Effekte, die der Gestaltung zusätzliche Lebendigkeit verleihen.

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Ein herzliches Dankeschön für das entgegengebrachte Vertrauen und die sehr gute Zusammenarbeit ergeht an die Gemeinde und den Kindergarten Waldneukirchen, auch an die Glasmalerei Stift Schlierbach und alle lieben Mitarbeiter_innen für die sehr gute und freundschaftliche Zusammenarbeit! Ich freue mich auf kommende Herausforderungen!